Diese Seite wird derzeit noch aufgebaut. Hier finden Sie künftig Hinweise zu „Kultur, Werte, Religion“ im Orientierungsplan.
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Religiöse Bildung in der Kita

Praxis-Bausteine und konkrete Anregungen zur Umsetzung

Beispiele, Praxisbausteine und Literaturtipps werden im Laufe der Zeit in der digitalen Wissens- und Lernplattform zum Orientierungsplan eingestellt (www.wlp.ffb-bw.de). Dies gilt auch für die unterschiedlichen Themen aus dem Bildungs- und Entwicklungsfeld Kultur, Werte, Religion. Zudem werden aufgrund von Rückmeldungen von pädagogischen Fachkräften, aus der Aus- und Fortbildung sowie der pastoralen Begleitung der Kitas diese Praxishinweise weiterentwickelt. Gerne können Sie uns Anregungen hierfür zurückmelden.

Reflexionskarten für die Teamarbeit

Ein Türöffner zur religiösen Bildung im Rahmen des Bildungs- und Entwicklungsfeldes „Kultur, Werte, Religion“ im Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege in Baden-Württemberg

Darum geht´s:

Das Bildungs- und Entwicklungsfeld Kultur, Werte, Religion im weiterentwickelten Orientierungsplan benennt Ziele und Handlungskriterien für die religiöse Bildung in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen. Diese greifen die religiöse und weltanschauliche Vielfalt auf und geben Hinweise zur Gestaltung religionssensibler Bildungsprozesse.

Diese Karten verstehen sich als Türöffner. Sie wollen pädagogische Teams unterstützen, sich mit den Zielen und Handlungskriterien religiöser Bildung auseinanderzusetzen.



„Eine wertorientierte und religionssensible Bildung auf Basis der Zielsetzungen, wie sie im baden-württembergischen Orientierungsplan formuliert sind, ist wichtig. Sie unterstützt Kinder in der Entwicklung zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit und bei einem respektvollen Umgang miteinander. Ich wünsche allen pädagogischen Fachkräften mit diesen Reflexionskarten Orientierung bei der Umsetzung dieser anspruchsvollen Aufgabe.“
(Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg)

Religion im Orientierungs­plan

Religion im Orientierungsplan

„Warum kommt im Orientierungsplan Religion vor?“

Kinder erleben vielfältige Traditionen, Rituale und Feste in ihren Familien und in ihrem Leben. Sie erfahren, dass vieles in unserem Alltag durch Religion geprägt ist:
z.B. Zeitstrukturen wie die Woche oder Feste im Jahreskreis, viele Sprichwörter, Bräuche und Redewendungen, Gebäude oder Orte wie Friedhöfe und soziale Dienste. Kinder sind neugierig, warum Erwachsene ihr Leben auf eine bestimmte Weise gestalten. Sie fragen nach Ritualen und Symbolen. Alle diese Erfahrungen und Fragen bringen sie in die Kita mit.

Kinder verdienen uneingeschränkt Anerkennung, Begleitung und Förderung, mit all ihren Interessen und Bedürfnissen. Dies gilt auch für ihre Fragen nach religiöser Zugehörigkeit, nach Sinn und nach dem, was das Begreifbare und Erklärbare übersteigt.

Religion und ein religiöses Verständnis von Welt können ein wichtiger Zugang sein, der Welt zu begegnen und sich die Welt zu erschließen. Im Zusammenspiel z.B. mit einem naturwissenschaftlichen oder historischen, musikalischen oder künstlerischen Zugang erweitert ein religiöses Verständnis der Welt den Blick auf das Gesamte. Um Kindern dies zu ermöglichen, ist es bedeutsam, wenn pädagogische Fachkräfte ihnen Impulse für diese Dimension des Lebens geben.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Kinder­rechte

Religion im Orientierungsplan

„Was hat Religion mit den Kinderrechten zu tun?“

Menschenwürde und Menschenrechte bestimmen das Handeln in der Kita. Die Rechte der Kinder sind insbesondere in den UN-Kinderrechten beschrieben. Sie sind Handlungsmaßstab und Basis für die Gestaltung des pädagogischen Alltags. Sie sprechen auch vom Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit (Art. 14) und vom Recht der Kinder auf spiritual development und spiritual health (Art. 17, 23, 27, 32). Die Umsetzung dieses Rechts der Kinder auf spirituelle Entwicklung und seelische Gesundheit ist eine grundlegende Aufgabe in jeder Kita.

Dementsprechend gilt für alle Kinder das Recht auf eine religionssensible Bildung, unabhängig von der Trägerschaft der Kita. Dieses wird alltagsintegriert in der Einrichtung gelebt. Kita-Mitarbeitende begegnen allen weltanschaulichen und religiösen Bekenntnissen mit Respekt. So bereichert das Miteinander die Kita.

Aus dem Recht auf Bildung (Art. 28) lässt sich ein Recht auf religiöse und spirituelle Bildung ableiten. Es ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, dass alle Kinder die Möglichkeit erhalten, sich mit diesem Zugang zur Wirklichkeit auseinanderzusetzen.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Religions­sensible Bildung

Religions­sensible Bildung

„Was bedeutet religiöse Bildung in einer vielfältigen Kita?“

Religionssensible Bildung greift die Vielfalt von religiösen und weltanschaulichen Lebenskonzepten, unterschiedliche Sichtweisen und Überzeugungen auf. Handlungsleitend ist die Fragestellung „Was brauchen Kinder?“

Sie überlässt Religion nicht allein der Privatsphäre und Initiative der Kinder. Pädagogische Fachkräfte eröffnen aktiv Raum für Religion und Sinnfragen, aber auch Spiritualität. Sie nehmen die Kinder mit ihren Erfahrungen, Interessen und Bedürfnissen wahr und geben Impulse für neue Entdeckungen und Erfahrungen, auch im religiösen Bereich. So können Kinder selbst religiös sprachfähig werden und Kompetenzen erwerben, die sie zu einer eigenen religiösen Identität in der Vielfalt befähigen. Sie erfahren von religiösen Inhalten, Symbolen und Handlungsweisen und lernen, ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte auszudrücken.

Das gemeinsame Entdecken und Staunen, die Begleitung bei der Suche nach Antworten auf religiöse und spirituelle Fragen unterstützen eine Weiterentwicklung von Interesse und Respekt. Kinder erhalten Unterstützung und Orientierung im Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit. So können sie im Zusammenleben Formen eines gelingenden Miteinanders einüben.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Werte

Werte

„Welche Werte sind uns wichtig? Und: Warum sind Werte wichtig?“

Die Wertebasis für das Bildungshandeln in baden-württembergischen Kindertageseinrichtungen ist im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, der Landesverfassung Baden-Württemberg sowie in der UN-Kinderrechtskonvention grundgelegt. Artikel 29 der UN-Kinderrechtskonvention formuliert das Recht des Kindes auf eine an Werten ausgerichtete Bildung, auf die individuelle Entfaltung der Begabungen, Talente und Fähigkeiten, auf Achtung vor anderen, auf Freiheit, Frieden, Toleranz, Gleichberechtigung und auf ein verantwortungsbewusstes Leben.

Werte wirken wie ein innerer Kompass. Sie geben Orientierung und entscheiden mit, was Menschen als gut oder schlecht beurteilen, welche Verhaltensweisen Menschen als angemessen oder als falsch ansehen.

Werte können diskutiert, in Frage gestellt und neu bestimmt werden. Religion bietet dabei einen möglichen Deutungsrahmen, innerhalb dessen Werte verstanden und im Handeln umgesetzt werden.

Für die Kita ist es bedeutsam, dass pädagogische Fachkräfte sich immer wieder bewusst machen, an welchen Werten sie sich selbst orientieren bzw. orientieren möchten. Die eigene Haltung kann sich emotional und sozial auf die Beziehungen auswirken.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Ver­antwortung für Gemein­schaft und Umwelt

Ver­antwortung für Gemein­schaft und Umwelt

„Wie kann religiöse Bildung zu einem gelingenden Zusammenleben beitragen?“

Kinder sammeln in der Kita Erfahrungen außerhalb ihrer familiären Strukturen. Sie erfahren sich als Teil der Gruppe, nehmen Differenzen wahr und lernen, das Zusammenleben zu gestalten. Sie erforschen die Umwelt, erkunden ihre Beziehungen zu anderen und zur Natur. Staunend stellen sie Fragen über das Leben, über Gott und die Welt. Sie lernen Werte kennen, mit deren Hilfe sie gewonnene Erkenntnisse tiefer erfassen oder beurteilen können.

In der Kita werden Kinder zum Nachdenken über das Verhältnis von Menschen untereinander und zur Umwelt angeregt. Sie erfahren, was ein respektvoller Umgang mit anderen bedeutet und was sie selbst zu einem gelingenden Zusammenleben beitragen können. Sie lernen, Verantwortung für das soziale Miteinander und für ihr ökologisches Handeln zu übernehmen. Religiöse Vorstellungen einzubeziehen, kann eine Bereicherung sein. Z.B. kann das Verständnis der Welt als gute Schöpfung eine achtsame Haltung unterstützen und Kinder in der Übernahme von Verantwortung füreinander und für die Umwelt stärken.

Religionssensible Bildung stärkt das Verständnis füreinander und deckt Vorurteile auf. Pädagogische Fachkräfte achten darauf, wirksam gegen Diskriminierung vorzugehen. Ihre eigene religionssensible Haltung wird zum hilfreichen Vorbild. So erfahren Kinder in der Kita, wie – auch im religiösen Dialog – ein friedvolles Zusammenleben gelingen kann.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Mit Kindern über große Fragen nach­denken

Mit Kindern über große Fragen nach­denken

„’Theologisieren‘ mit Kindern – Was heißt das?“

Wenn pädagogische Fachkräfte sich selbst als Lernende verstehen, kann das für Kinder hilfreich sein. So kann ein Kind angeregt werden zu eigenem theologischem Fragen. Konkret heißt das beispielsweise, sich aktiv auf das offene Nachdenken des Kindes einzulassen, neue Impulse zu geben und dabei die Antwort des Kindes aufzugreifen, ohne selbst eine abschließende Antwort zu geben.

Dies erfordert die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen und dem Staunen des Kindes im Alltag der Kita zu folgen. Eine solche Haltung unterstützt Kinder beim Versuch, eigene Gedanken zu äußern und weiterzuentwickeln. Indem ein Kind gemeinsam mit anderen angeregt wird, Antworten auf grundlegende Fragen zu finden, wird es in seiner (religiösen) Sprachfähigkeit gestärkt.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Vertrauen und Zuversicht

Vertrauen und Zuversicht

„Wie kann religiöse Bildung Kinder stärken?“

Kinder bringen ihre Wünsche, Hoffnungen und Sorgen in die Kita mit und stellen Fragen nach Anfang und Ende, Sinn und Wert des Lebens. Dabei sind sie auf sinnstiftende Deutungen angewiesen, um eine zuversichtliche Grundeinstellung und ein positives Selbstkonzept zu entwickeln. Pädagogische Fachkräfte können sie dabei unterstützen, indem sie z.B. Lieder, Erzählungen, Symbole oder Feste aus religiösen Überlieferungen aufgreifen, die Zuversicht und Vertrauen stärken. So fördern sie die Ausbildung von Resilienz bei den Kindern. Dies gilt insbesondere dann, wenn pädagogische Fachkräfte existentielle Fragen aufnehmen und Zugang zu lebensbejahenden Sinnerfahrungen ermöglichen. Dazu können gemeinsame Erfahrungen von Gemeinschaft, Geborgenheit, Stille und Konzentration gehören.

Religiöse Überzeugungen sind jedoch nicht per se positiv zu bewerten. Sie können in fundamentalistischen Ausprägungen zu eher lebensfeindlichen, stark einengenden oder gar bedrohlichen Extremen tendieren. Deshalb achten pädagogische Fachkräfte darauf, dass nur Haltungen und Überzeugungen in der Kita Raum bekommen, die Kinder in der Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft unterstützen. Diesem Anspruch muss religiöse Bildung auch in der Auswahl religiöser Bilder, Erzählungen und Handlungen entsprechen.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Erziehungs­partner­schaft

Erziehungs­partner­schaft

„Wie beziehen wir Eltern im Blick auf religiöse Bildung ein?“

Religiöse Bildung in der Kita ist auf eine wertschätzende Erziehungspartnerschaft zwischen pädagogischen Fachkräften und den Eltern angewiesen. Eltern sind kompetente Partner. Ihre Fragen und Interessen sind ernst zu nehmen und es kann bereichernd sein, ihre Erfahrungen und ihr Wissen über die eigene Religion oder Familientradition in der Kita aufzugreifen.

Eine kultur- und religionssensible Bildungsarbeit bezieht Eltern mit ihren individuellen, religiösen und weltanschaulichen Vorstellungen und Traditionen ein. Sie sucht nach Wegen und Möglichkeiten, wie Eltern ihre Fragen stellen und selber an ihrer Sicht auf Religion und Sinnfragen Anteil geben können. Die Konzeption informiert über die Rolle religionssensibler Bildung im Alltagshandeln der Kita. Daneben legen pädagogische Fachkräfte offen, wie sie diese mit Leben füllen.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

Reflexive Halt­ung als Teil pädagogischer Profess­ionalität

Reflexive Halt­ung als Teil pädagogischer Profess­ionalität

„Muss ich ’neutral‘ sein? – Und wenn ich selbst nicht religiös bin?“

Die eigenen Prägungen und Erfahrungen, die eigene religiöse oder weltanschauliche Überzeugung sind Teil der Persönlichkeit. So sind pädagogische Fachkräfte zur Reflexion der eigenen Haltungen und zur biografi schen Auseinandersetzung herausgefordert, weil diese Refl exion Voraussetzung für ein professionelles pädagogisches Handeln ist. Das zeigt sich insbesondere in der religionssensiblen Begleitung der Kinder.

Fachkräfte können von den Kindern auch bei religiösen Themen angefragt werden. Das Bewusstsein über das eigene religiöse Empfinden, das Fachkräfte nicht offen legen müssen, ist eine zentrale Grundlage für ein professionelles Handeln. So können sie den Kindern, ihren Fragen und Erfahrungen wertschätzend begegnen und sie in der (Weiter-)Entwicklung ihrer kulturellen und religiösen Identität unterstützen.

Pädagogische Fachkräfte benötigen zugleich fundierte Fachkompetenzen, um die Bildungsund Entwicklungsprozesse der Kinder zu ermöglichen und zu begleiten. Dies gilt für den Bereich von Kultur, Werte, Religion genauso wie z.B. für Sprachförderung, Gesundheitserziehung oder Naturwissenschaft und Technik.

Impulse und Reflexionsfragen für die Teamarbeit

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